Situation der Wohnungslosen verschärft sich

Wohnungslose in Zelten unter einer Treppe in St. Pauli, Hamburg

© Canetti/istockphoto/Getty Images

Von den bereits Wohnungslosen haben den Daten zufolge mehr als die Hälfte die Wohnung aufgrund von Kündigungen und Räumungsverfahren verloren oder drohen sie zu verlieren.

Wohnungslosenhilfe berichtet
Situation der Wohnungslosen verschärft sich
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) hat ihren neuen Jahresbericht zur Lebenslage von Wohnungslosen publiziert. Für das Berichtsjahr 2020 übermittelten laut Mitteilung vom Montag 235 Mitgliedseinrichtungen mehr als 41.900 anonymisierte Falldaten. "73 Prozent aller erfassten Hilfesuchenden sind akut wohnungslos", sagte Werena Rosenke, die Geschäftsführerin der BAG W. Die Untersuchung "verdeutlicht den Handlungsbedarf, den wir auf Seiten von Politik und Verwaltung sehen".

"Wohnungsnot und Wohnungslosigkeiten gehören zu den größten Problemen in Deutschland. Und die Situation verschärft sich weiter", sagte Rosenke. Susanne Hahmann, Vorsitzende der BAG W, sagte: "Der Nationale Aktionsplan zur Überwindung von Obdach- und Wohnungslosigkeit bis 2030 muss jetzt in Gang gesetzt werden, um den drastischen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen entgegenzuarbeiten."

Im diesjährigen Schwerpunktteil des Berichts würden Gesundheit und medizinische Versorgung der Obdachlosen und von Obdachlosigkeit bedrohten Menschen genauer betrachtet. Demnach ist der gesundheitliche Zustand vieler Klientinnen und Klienten prekär. Der Zugang zu medizinischer Versorgung sei für viele Menschen in Wohnungsnot oftmals erschwert. Besonders für vulnerable Klienten müsse aber "Schutz und Versorgung gerade in einer Pandemie unbedingt zu gewährleisten sein". Rund 25 Prozent der Betroffenen hat keinen oder nur unzureichenden Krankenversicherungsschutz.

Von den bereits Wohnungslosen haben den Daten zufolge mehr als die Hälfte (52 Prozent) die Wohnung aufgrund von Kündigungen und Räumungsverfahren verloren oder drohen sie zu verlieren. 15 Prozent nannten Zwangsräumungen als Grund für den Wohnungsverlust - wegen Schulden (64 Prozent), Eigenbedarf (6 Prozent) oder anderer Probleme (30 Prozent). "Der systematische Ausbau präventiver Hilfeangebote ist notwendig", sagte Rosenke.

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