Bundesweites Gedenken an die Opfer der NS-Novemberpogrome

Das Portrait eines Überlebenden der NS-Verfolgungen des Künstlers Luigi Toscano liegt anlässlich der Ausstellung 'Gegen das Vergessen' vor der Sophienkirche in Berlin auf dem Boden.

Foto: dpa/Sophia Kembowski

Vor der Sophienkirche in Berlin zeigt der Künstler Luigi Toscano Portraits Überlebendenr der NS-Verfolgung. Die Ausstellung 'Gegen das Vergessen' ist vom 9. - 26. November zu sehen.

Bundesweites Gedenken an die Opfer der NS-Novemberpogrome
In Berlin und weiteren deutschen Städten ist am Donnerstag an die judenfeindlichen NS-Pogrome vom 9. November 1938 erinnert worden.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfing 20 Vertreter des Internationalen Auschwitz-Komitees im Berliner Schloss Bellevue, darunter fünf Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz. Eine Veranstaltung mit Schülern fand im hessischen Hadamar statt, wo eine Gedenkstätte an die Opfer des Euthanasieprogramms der Nationalsozialisten erinnert.

Der Antisemitismusbeauftragte der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Sigmount Königsberg, rief zum Engagement gegen Judenhass auf. Antisemitismus gebe es auch heute weiter "in den unterschiedlichsten Ausprägungen", sagte er der "Berliner Morgenpost" (Donnerstag). Antisemitismus sei nie verschwunden gewesen. Es gebe ihn bei der extremen Rechten, als Antizionismus getarnt bei Linken, im Islamismus wie auch in der Mitte der Gesellschaft. Ergänzt werde dieser Judenhass von den Stimmen, die wie Teile der AfD ein Ende des "Schuldkultes" fordern.

Im Lauf des Tages waren in Berlin wie auch in anderen Bundesländern zahlreiche Gedenkveranstaltungen und Kranzniederlegungen zur Erinnerung an NS-Opfer geplant. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) wurde am Abend zu einer Gedenkveranstaltung der jüdischen Gemeinde erwartet.

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Vor 85 Jahren gingen die Nationalsozialisten zur offenen Gewalt gegen die jüdische Bevölkerung über. Am Donnerstag erinnerte der Zentralrat der Juden an die Gewaltexzesse. Kanzler Olaf Scholz sicherte der jüdischen Gemeinschaft Schutz zu.
Die brennende Synagoge  in Wiesbaden
An den 85. Jahrestag des Gedenkens an die Novemberpogrome am 9. November erinnern die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Annette Kurschus und die Präses der Synode der EKD, Anna-Nicole Heinrich.

An Täter-Orte in West-Berlin erinnert eine neue Sonderausstellung. Sie ist unter dem Titel "Ausgeblendet. Der Umgang mit NS-Täterorten in West-Berlin" ab Freitag zu sehen und erzählt vom langen Prozess der Sichtbarmachung dieser Orte. Die als Wanderausstellung konzipierte Schau wurde vom Verein Aktives Museum - Faschismus und Widerstand in Berlin e.V. sowie der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz erarbeitet.

Zu den vielen Städten, die an die Novemberpogrome erinnerten, gehörten Frankfurt, Düsseldorf, Essen, Dortmund, und Köln und Wiesbaden. In Ostdeutschland fanden unter anderem in Potsdam, Brandenburg, Oranienburg und Cottbus Gedenkveranstaltungen statt, an denen mehrere Landesminister teilnehmen wollten.

In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 brannten jüdische Synagogen in ganz Deutschland. Die Nationalsozialisten gingen zur offenen Gewalt gegen Juden über, jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden zerstört, jüdische Bürger misshandelt. Dabei wurden weit mehr als 1.300 Menschen getötet und mindestens 1.400 Synagogen in Deutschland und Österreich stark beschädigt oder ganz zerstört.